Ein guter Partner – Philipp Bayer

Wie können sich die Fähigkeiten bestmöglich entwickeln? Jede Person ist körperlich und mental unterschiedlich. Manche lernen schneller als andere. Andererseits braucht es eine gewisse Mindestlaufzeit, um sich durch Erfahrungen zu verbessern. Und der Körper braucht Ruhe und Zeit, um sich anzupassen. 

Ving Tsun hat einen effektiven Ausbildungsweg und nach meiner Erfahrung ist eine Person in der Lage innerhalb von 3-5 Jahren ein gutes Niveau zu erreichen. Um dieses Ziel zu erreichen muss man zuerst ein guter Partner sein. Wenn andere einen guten Kraftaustausch erleben und das Gefühl haben, dass es vorteilhaft ist mit dir zu trainieren, dann ist es der erste Schritt die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.

„Being a good training Partner is where the Journey begins.“

Wenn du nur mit geringer Geschwindigkeit trainierst wo du nahezu 100% Kontrolle hast, dann endest du damit unrealistische Ideen zu entwickeln. Das ist einfach nicht möglich, wenn du die Geschwindigkeit erhöhst. Natürlich kann man langsam trainieren, um den Schülern etwas zu erklären und Bewegungen zu verstehen, aber wenn man schneller agiert kann man die natürlichen Reaktionen beobachten. Vielleicht stoppt dich seine Wu Sau, aber bei doppelter Geschwindigkeit ist die Wu Sau vielleicht nicht schnell genug. Du musst die Schüler dazu zwingen schneller zu agieren. Nur so kannst du das Verhalten der Schüler so ändern, dass sie schneller reagieren. 

Ein großer Teil unseres Trainings dreht sich um das Gleichgewicht. Bei fast jeder Armbewegung, oder jedem Tritt geht es darum, wie man die vertikale Linie halten kann. Jede Bewegung die du ausführst und jede Aktion die du tust sollte aus einem ausbalancierten Körper kommen.

Wong Sifu sagte einmal: „Never give up your balance!“

Wenn eine Person tritt, gibt sie ihr Gleichgewicht auf und hat nur noch ein Bein zur Unterstützung. Ving Tsun macht sich die Nachteile anderer zu nutze und wir bleiben mit beiden Füßen auf dem Boden, um unser Gleichgewicht zu halten. Cham Kiu und Biu Ji Drehungen, sowie die Bewegungen an der Holzpuppe, all das lehrt uns das Gleichgewicht zu halten.

Unser Schlag unterscheidet sich sehr zu anderen Stilen. Viele Stile benutzen den Oberkörper. Wir benutzen den ganzen Körper, die Hüfte, die Kraftlinie zum Boden, der Austausch von Kraft, Verhaltensmuster durch Chi Sau entwickeln und so weiter. Wenn die Chi Sau Struktur nichts anderes ist als einfaches Rollen, also ohne ein Austausch von Kraft, dann frage ich mich warum du es tust!

Poon Sau or Chi Sau has a reason for its existence.

Woher soll die Kraft kommen? Woher soll die Schlagkraft kommen? Durch drücken des Arms in der Siu Lim Tau gegen den Luftdruck? Das ist nicht genug. Da gibt es keine Rückmeldung. Du kannst die Form hundert Jahre machen, aber wenn du nie ein Gegendruck empfängst wirst du nichts entwickeln. Das ist der Schwachpunkt. Du musst dein Training dem echten Kampf anpassen.