Wie man Wing Tsun lernt

An erster Stelle musst du dir eine gute Grundlage aufbauen und die ist abhängig vom Verständnis der Anfangsidee, von der Anzahl der Wiederholungen die du brauchst, und von der Genauigkeit deiner Bewegungen. Die korrekte Theorie ist dabei entscheidend. Körperlich macht man da nicht viel. Will heißen, dass im Kopf etwas entstehen soll. Deshalb auch der Name der ersten Form „Anfangsidee – Siu Lim Tau“.

Ein fataler Fehler wäre es zum Beispiel die Bewegungen als Techniken oder Anwendungen gegen verschiedene Angriffe zu interpretieren. Diese Art von Theorie ist unzutreffend und führt zu einem anderen Ergebnis. Die Besonderheit im Ving Tsun besteht ja gerade darin aufgrund der Theorie reflexartig die richtige Technik auszuführen, anstatt ein Repertoire an festen Techniken zu lernen. Welche Technik man ausführt ist dabei irrelevant, solange man nicht in eine schlechte Position kommt.

Um es mit einem Beispiel einmal klar zu verdeutlichen: Eins der besten Kampfsysteme der Welt braucht keine extra Schwingerabwehr, also eine Abwehr für einen Angriff den jeder Laie mehr oder weniger gut schlagen kann. Als unltimative Antwort sieht man da oft Tan Sau kombiniert mit Fauststoss und übersieht dabei die Nachteile.

Sobald deine erste Form relativ gut ist und sich der Ellenbogen entsprechend entwickelt, beginnst du mit Daan Chi und einigen Koordinationsübungen. Im Training solltest du konzentriert sein und immer wissen wozu du bestimmte Bewegungen ausführst. Wenn es dir nicht klar ist, dann musst du Fragen stellen. Die nächste Stufe ist das Poonsau. Am Anfang ist der Kraftaustausch das Wichtigste. Das nächste Verfahren ist das fließende Wechseln, ohne den Kraftaustausch zu verlieren. Mit regelmäßigen Training von 6-8 Stunden pro Woche sollte es nicht länger als 3-4 Monate dauern.

Du solltest auch mit dem Training am Schlagpolster beginnten, wenn sich der Ellenbogen wie bereits erwähnt in die richtige Richtung entwickelt, damit auch impulsartige Kraft auf die Kraftlinie einwirkt. Durch den Wandsack erhält dein Körper eine Rückmeldung, die die Schlagkraft deutlich verbessert.

Wenn du es bis hierher geschafft hast, dann hast du die Basis gelegt. Ab jetzt wird es richtig interessant und es geht erst richtig los.

Abschließend gebe ich dir den wichtigsten Rat. Du musst einen guten Coach finden, der das richtige System vertritt, denn du kannst Wing Tsun unmöglich aus Büchern, oder durch Videos lernen. Und die bittere Wahrheit ist, dass du es als Laie nicht einfach hast den richtigen Coach und das richtige System zu finden. Ich empfehle dir die Philipp Bayer Linie und ich kann es sagen, weil ich mehrere Stilrichtungen trainiert habe. Guck dir mal zum Vergleich die Videos der verschiedenen Lehrer an.

Weiter geht es demnächst im zweiten Teil…

Wong Shun Leung Interview

Wong Shun Leung war als Ving Tsun Lehrer international gefragt. Aus aller Herren Länder reiste man an, um mit ihm zu trainieren. Sein Untericht war einfach praktisch und realistisch. Als Kämpfer wurde er berühmt, weil er erfolgreich gegen Vertreter anderer Kampfstile antrat. Viele Reporter wollten ihn allein schon aufgrund seiner Freundschaft mit Bruce Lee interviewen. Dieses Interview von Rusper Patel wurde aus dem englischen übersetzt und bringt Ihnen Wong Shun Leung´s Theorien über das Ving Tsun Kung Fu näher.

Wie kam das Interesse Martial Art zu trainieren?

WSL: In meinen jungen Jahren war ich eine kleine Person und ich war davon überzeugt, dass Martial Art Training mir mehr Vertrauen für mein gesamtes Leben geben könnte.

Welchen Stil haben Sie praktiziert?

WSL: Ich habe zuerst Boxen und Thai Chi trainiert, bevor ich Ving Tsun kennengelernt habe.

Galt Ihr Interesse grundsätzlich dem Kampf, oder haben Sie sich für den sportlichen Aspekt interessiert?

WSL: Ich war hauptsächlich an der praktischen Anwendbarkeit von Martial Art interessiert.

Was hat Sie an Ving Tsun fasziniert und Sie dazu bewogen bei diesem System zu bleiben?

WSL: Ich hatte am Anfang eine falsche Vorstellung von Martial Art. Ich dachte sie wären nur für die Selbstverteidigung. Ich mochte das Prinzip des Ving Tsun, dass die beste Verteidigung der Angriff ist. Die Trainingsidee war dich stark zu machen damit du den Gegner anzugreifen kannst, andernfalls hatte man das Gefühl das man sich sonst nicht erfolgreich verteidigen kann. Durch das Training realisierten wir, dass es im Gegensatz zu anderen Martial Art Stilen keine festen Bewegungen im Ving Tsun gab. Das bedeutet, wenn ich auf eine Weise angreife, müssen sie auf eine bestimmte Weise reagieren. Ving Tsun schreibt vor Konzepte und Prinzipien zu nutzen und es gibt Techniken, um diesen Ideen zu folgen.

Wie haben Sie Ving Tsun unter Yip Man trainiert?

WSL: Das Training begann mit der ersten Form Siu Lim Tau und danach einarmiges Chi Sau. Sobald es gut war, wurde beidarmiges Chi Sau trainiert. Als wir fähig waren die Handpositionen richtig und flüssig auszuführen, brachte er uns die Schrittarbeit bei. Wir mussten uns vorwärst und rückwärts bewegen. Danach kam das Wenden, gefolgt vom Lap Sau. Es kam dann immer mehr dazu. Chum Kiu und Biu Gee, die zweite und die dritte Form wurde unterrichtet und die Holzpuppe. Wenn man es gut kann wird die Arbeitsweise mit dem Langstock beigebracht. Mit den Doppelmessern ist es allerdings etwas anders, weil sich die Ideen hinter den Bewegungen von den Handtechniken unterscheiden, obwohl sie ähnlich aussehen. Es kann sehr verwirrend sein, wenn jemand die Grundlagen nicht ausreichend verinnerlicht hat. Seit ich unterrichte habe ich fast den gleichen Trainingsaufbau wie Yip Man befolgt. Der einzige Unterschied liegt darin, dass ich direkt nach der Chum Kiu ein Drittel der Holzpuppe unterrichte. Anschliessend unterrichte ich Biu Gee und dann die verbleibende Holzpuppenform. Yip Man fragte mich, warum ich in dieser Reihenfolge unterrichte und ich antwortete, dass die Bewegungen im ersten Drittel der Holzpuppenform denen der ersten und zweiten Form sehr ähnlich sind. Jedoch die letzten zwei Drittel der Holzpuppenform den Theorien und Bewegungen der dritten Form Biu Gee ähnlich sind.

Wie unterscheidet sich das Training zu anderen Stilen?

WSL: Andere Stile würden viel Wert auf Formen und Kombinationstechniken legen.  Die Ideen des Ving Tsun erlauben jedoch diese Art von Training nicht. Die Theorien erlauben keine festen Antworten, oder Kombinationen. Ein Ving Tsun Kämpfer verwendet die Theorie, um eine Technik für eine Situation auszuführen. Seine tägliche Praxis gibt ihm das Verhalten die richtige Technik zu vollbringen. Es spielt dabei keine Rolle welche Technik einer anderen folgt, solange es fliessend ist und der Theorie entspricht, und den Kämpfer nicht in eine schlechte Position bringt. Es ist daher wichtig, dass der Schüler das Reflextraining übt, bis er die Ving Tsun Theorie auf verschiedene Situationen anwenden kann, die der Gegner verursacht. Yip Man war der Überzeugung, dass dein Gegner es ist, der dir zeigt wie du ihn schlagen kannst. Ich sehe oft Schüler die zu viel darüber nachdenken wie sie ihre Gegner schlagen können. Das ist falsch, weil der Schüler dann eine vorgefasste Vorstellungen davon hat, wie er sich bewegt und wie sich dann der Gegner bewegen könnte. Im Kampf bewegt sich der Gegner frei wie er möchte. Er wird nicht so denken wie du. Daher werden deine Bewegungen durch seine Handlungen bestimmt. Wenn du deinen Gegner schlagen willst, dann musst dich anstrengen, oder es dem Gegner erlauben dich leicht anzugreifen. Es ist weitaus besser dem Gegner es zu erlauben dich zu führen und dir zu zeigen wie du ihn schlagen kannst.

Wie haben Sie sich mental und körperlich auf die Kämpfe gegen andere Stile vorbereitet?

WSL: Für so einen Kampf müssen Sie hart trainieren, um das Selbstvertrauen zu entwickeln an solchen Kämpfen teilnehmen zu können. Sie müssen durch ihr Selbstvertrauen wissen, dass sie gewinnen können. Wenn Ving Tsun Praktizierende an Kämpfen teilnehmen und besiegt werden, dann besteht sollte man nicht denken, dass der andere besser ist als du. Stattdessen sollte man sich fragen welche Fehler man gemacht hat, dass seine Angriffe erfolghreich waren. Dies ist die Art des positiven Denkens, die jeder Kämpfer haben muss.

Sie waren bereits vor dem Ving Tsun ein starker Kämpfer. Fanden Sie die Konzepte, oder bestimmte Techniken sofort nützlich?

WSL: Ich bin eine kleine Person. Also haben größere Personen versucht ihre Reichweite zu nutzen. Ich hatte viele Gelegenheiten zu Kämpfen und Ving Tsun zu nutzen. Ich fand das Konzept immer selbst anzugreifen nützlich. Ving Tsun spricht niemals davon einen Angriff ausschliesslich zu blockieren, sondern mit einem Gegenangriff zu kontern. Offensiv zu sein ist die beste Art sich zu verteidigen. Wenn ich mich zum Beispiel 9 von 10 Sekunden darauf konzentriere dich zu schlagen, dann musst du dich 9 Sekunden lang verteidigen. Ich habe eine höhere Chance dich zu besiegen. Ich denke, oder spreche nie davon einen Angriff nur zu blocken, sondern wie man einen Gegner kontert. Die Fähigkeiten die man durch das Chi Sau erlangt, sollten dich in die Lage versetzen kontinuielich den Gegner anzugreifen.

Wie ist die beste Handlungsweise Ving Tsun zu trainieren?

WSL: Die beste Art zu trainieren ist die, einen erfahrenen Trainer zu finden. Der Schüler muss dieser Person vertrauen und seinen Anweisungen folgen, seine Fähigkeiten kennen und bereit sein hart an sich arbeiten, um sich zu entwickeln. Der Ving Tsun Schüler trainiert, um ein Kämpfer zu werden und muss von daher in der Lage sein Druck standzuhalten und starke Angriffe zu starten. Der Schüler muss intelligent genug sein, um zu verstehen wie man die Ving Tsun Konzepte anwendet. Früher habe ich nicht des Geldes wegen unterrichtet und konnte es mir aussuchen wen ich unterrichte. Gewöhnlich unterrichtete ich Personen, die das Potential hatten starke Kämpfer zu werden. Heute sind die Umständen anders. Wenn sie lernen möchten, werde ich sie unterrichten. Mein Lebensunterhalt wird jetzt durch das Ving Tsun verdient. Die alten Schüler würden alles tun, wenn ich sie fragen würde. Ich habe von ihnen keine finanzielle Belohnung erhalten. Der Schüler konnte sich darauf verlassen, dass ich ihn nur Anweisungen gab, die seiner Ausbildung zugute kam. Manchmal versorgte ich meine Schüler auch nach dem Training mit Essen. Die Schüler die ich unterrichtete waren sehr oft sportlich gebaut. Die Physis hatten sie durch die Ausübung anderer Sportarten aufgebaut. Ich stellte fest, dass die Schüler, welche aus Ausdauersportarten kamen eher darauf ausgerichtet waren Ving Tsun korrekt anzuwenden. Sie konnten die Kraft kontinuierlich über einen längeren Zeitraum aufbringen, so wie es im Ving Tsun gefordert wird.

Wie unterscheidet sich der Unterricht von Yip Man zu Ihnen?

WSL: Yip Man unterrichtete auf traditionelle Weise. Das bedeutet, dass Yip Man nur von Zeit zu Zeit Informationen gab. Wenn sie also nicht aufmerksam waren und es verpassten fehlte ihnen diese Information. Er würde von den Schülern erwarten, dass sie die volle Bedeutung aus einer kurzen Erklärung erfassen können. Selbstverständlich mochte er Fragen und Diskussionen die zeigten, dass ein Schüler für sich selbst dachte. Daher wurden die Informationen nicht gleichmäßig verteilt. Einige Schüler erhielten also möglicherweise viel weniger Informationen als andere. Sie mussten in der Lage sein zwischen den Zeilen zu lesen, um zu einer Antwort zu gelangen. Es gab keine systematische Erklärung. Yip Man hatte dazu eine andere Einstellung als ich. Er glaubte, dass es besser wäre einen guten Schüler zu unterrichten, als 10 schlechte. Aus diesem Grund würde er nicht viel Zeit mit einen Schüler verbringen, von dem er denkt es wäre verschwendete Zeit. Aus diesem Grund unterrichten manche Ving Tsun Lehrer auf unterschiedlicher Weise. Aus Yip Man´s kurzen Erklärungen haben sie möglicherweise die falsche Bedeutung, die sie jetzt weitergeben. Das Verständnis für die Ideen die Yip Man gab hing sehr stark von der Intelligenz, dem Besuch des Unterrichts und von der Einstellung zum Training ab. Dies ist keine Kritik an Yip Man, sondern spiegelt die Haltung dieser Zeit wieder, die sehr traditionell war. An welchem Ort auch immer ich unterrichtet habe, war es mein Anliegen die Informationen mit allen Teilnehmern zu teilen. Ich versuche alle während meines Unterrichts und meiner Seminare gleich zu behandeln. Wenn alle Schüler die Informationen bekommen, dann können sie Ving Tsun als Kunst annehmen. Genau genommen ist es eine Fähigkeit. Wir treten nicht vor einem Publikum auf, sondern machen unsere Arbeit.

In welcher Beziehung stehen die Handbewegungen aus den Formen zum Chi Sau?

WSL: Wenn wir die Analogie der englichenn Sprache zum Vergleich nehmen, dann ist Siu Lim Tau das Alphabet des Ving Tsun, mit Chum Kiu lernen wir Wörter zu bilden und mit Chi Sau können wir diese Wörter als Sätze ausdrücken. Die Anwendungen und Theorien von Biu Gee sind jedoch anders. Eine Situation muss sehr schlecht sein, wenn die Konzepte von Biu Gee angewendet werden. In dieser Form werden äußere Einflüsse berücksichtigt, z.B. ob eine Wand hinter uns ist, oder ein Stuhl in der Nähe. Die Biu Gee lehrt uns, dass es Situationen gibt in denen wir unsere Regeln brechen müssen und alles verwenden können, um zu überleben. Diese Form zeigt uns, dass es keine festen Regeln und keine perfekten Bedingungen gibt, wenn man um sein Leben kämpft. Die Chancen stehen gut, dass sie kämpfen müssen, wenn sie nicht wollen und die Bedingungen nicht gut sind. Möglicherweise beginnt es ohne Vorwarnung und der erste Kontakt bringt ihnen eine Verletzung ein. Vielleicht sitzen sie gerade, oder stehen. Biu Gee macht dich darauf aufmerksam, dass die Dinge möglicherweise nicht zu deinen Gunsten laufen.

In welcher Beziehung stehen Chi Sau und die Formen zum Kampf?

WSL: Viele Ving Tsun Leute wissen nicht wie man kämpft. Im Chi Sau üben sie die Techniken, die sie aus den Formen gelernt haben. Wir trainieren unsere Reflexe für bestimmte Situationen die durch den Trainingspartner verursacht wurden. Manche Leute haben eine falsche Idee vom Chi Sau und versuchen die Arme zu fesseln, oder bleiben endlos lange an den Armen. Das ist es nicht. Es geht darum die Reflexfähigkeit zu trainieren, um ihre Angriffe fortzusetzen, wenn sie abgelenkt wurden. In einem echten Kampf ist es realistisch. Es sollte unsere Absicht sein alles Notwendige zu tun, um die Situation zu überleben. Es ist unsere Mentalität zu kämpfen die uns lehrt wie man den Gegner schlägt. Wenn man gutherzig ist können sie versuchen mit den Armen des Gegners zu spielen, ohne ihm Schaden zuzufügen. Das Vertrauen durch Chi Sau kann zu einen übermässigen Vertrauen im Kampf führen. Ein verzögerter Angriff gibt dem Gegner jedoch nur mehr Zeit sie anzugreifen. Sie als Kämpfer stehen in der Verantwortung den Gegner anzugreifen und ihn in kürzester Zeit zu besiegen und die Zeit nicht mit unnötigen und ausgefallenden Techniken zu verschwenden. Wenn sie ihn nicht besiegen, dann wird er sie besiegen. Und wenn sie ihn nicht besiegen wollen, und er sie auch nicht besiegen will, wozu kämpft man dann?

Welche Schwierigkeiten haben Sie beim Erlernen von Chi Sau und anderen Ving Tsun Techniken festgestellt?

WSL: Als ich anfing Ving Tsun zu lernen wollte mein Lehrer, dass wir gute Grundlagen legen. Das bedeuetet, er wollte das wir die Grundlagen langsam und gewissenhaft trainieren, so wie sein Lehrer ihn angewiesen hatte es zu tun. Nur wenn man sich die Zeit nimmt solide Grundlagen zu schaffen können normale Probleme schrittweise gelöst werden. Nur wenn man die Theorie von anfang an versteht, können Fehler erkannt und korrigiert werden.

Was sind die häufigsten Fehler die sie finden?

WSL: Einige Schüler legen immer noch zu viel Wert auf voreingestellte Kombinationen. Sehr oft haben sie diese Ideen aus Büchern, Zeitschriften, oder aus den Gesprächen mit ihren Freunden. Sie verstehen nicht wie man die Konzepte des Ving Tsun anwendet. Anstatt die gesamte Situation zu sehen konzentrieren sie sich zu sehr auf einzelne Techniken. Sie haben die Theorie nicht verinnerlicht, die eine Technik hervorbringen würde.

Viele können nicht viel Zeit investieren, um sich kämpferische Fähigkeiten anzueignen und wollen trotzdem auf ein angemessenes Niveau kommen. Was sollten sie am meisten trainieren?

WSL: Es gibt keinen schnellen Weg Ving Tsun zu lernen. Sie müssen fleißig trainieren. Was sie investieren ist die Grundlagen dafür was sie zurück bekommen. Ich habe viel Blut für Ving Tsun vergossen, Knochenbrüche, Schnitte, etc. Dies mag viele Menschen erschrecken, aber sie lernen zu kämpfen und nicht zu spielen. Ein oberflächiges Training führt Leute nur in die Irre. Sie glauben Fähigkeiten zu haben, die sie in Wirklichkeit nicht besitzen. Kämpfen ist eine harte Angelegenheit und verursacht normalerweise Verletzungen für beide Parteien. Leichtes Training wird sie nicht darauf vorbereiten.

Es tauchen immer mehr Schulen auf die Selbstverteidigung, oder Mix Martial Arts anbieten und der Öffentlichkeit das zu geben scheint, was sie will. Wie kann ein traditionelles System wie Ving Tsun damit konkurrieren?

WSL: Ich glaube um ein komplettes Bild eines Kampfstils zu erlangen, müssen sie es unter einem guten Trainer studieren. Mit schnellen Selbstverteidigungstechniken zu werben ist nur eine geschäftliche Spielerei. Es gibt viele dumme Menschen die darauf hereinfallen. Sie wollen eine Abkürzung nehmen, anstatt hart zu trainieren. Diejenigen die hart trainieren und Schweiß und Blut vergiessen werden wissen ob sie im Kampf eine Chance haben oder nicht, während diejenigen die es nicht getan haben im Zweifel sind und sich hinter ihren Überzeugungen verstecken. Wenn es wirklich einen einfachen Weg geben würde, dann würden wir alle auf diese Weise trainieren, denn wer will schon Schmerzen?

Haben Sie das Gefühl, dass es einen Unterschied zwischen einem traditionellen Stil und einem modernen Stil gibt?

WSL: Das Ziel im Ving Tsun ist es ihnen beizubringen wie sie ihren Gegner schlagen können. Es sollte ihnen beibringen die einfachste Methode dafür zu verwenden. Jeder Kampfstil muss ihnen dieses Konzept beibringen, wenn es Kampftechniken anbieten will. Die Idee von einem modernen Kampfstil im Gegensatz zu einem traditionellen wird durch Werbung in die Köpfe gebracht. Man befasst sich scheinbar mit einem aktuellen Thema, um das Geschäft zu fördern. Es gibt keine einfache Möglichkeit sich verteidigen zu können, ohne stark genug zu sein anzugreifen. Wir müssen unter der Leitung eines guten Trainers, der die richtige Schulung und die richtigen Ratschläge bietet, hart trainieren um es für uns selbst zu erreichen.

Viele trainieren gerne vielseitige Systeme die schlagen, treten, werfen und Bodenkampf kombinieren. Denken Sie das Ving Tsun etwas fehlt?

WSL: Durch das Training der Biu Gee wird uns beigebracht frei zu sein. Die erste Form lehrt über normale Situationen und Biu Gee lehrt über abnormale Situationen. Die Ideen der Biu Gee widersprechen manchmal den normalen Ving Tsun Ideen, damit eine Person in einer schlechten Situation überleben kann. Wir sollten tun, was zum überleben notwenig ist und deshalb gibt es keine Einschränkungen. Stile haben unterschiedliche Konzepte und Ziele. Mit Ving Tsun wollen wir unseren Gegner sehr direkt angreifen. Andere Stile widersprechen diesem Ziel indem sie nicht direkte Taktiken versuchen. Wenn wir kombinieren können unsere Ziel in der Hitze des Kampfes uns verwirren und weniger effektiv machen.

Betrachten Sie Ving Tsun als Stil, oder als Ausdruck von Konzepten?

WSL: Als einen Ausdruck von Konzepten. Die Konzepte sind aber nicht in Stein gemeißelt. Es muss nur genug getan werden um den Anforderungen zu erfüllen. Als Erklärung kann beispielsweise die feste Ellenbogenposition herangezogen werden. Dem Anfänger wird zuerst beigebracht die Ellenbogen so nah wie möglich an der Mittellinie zu halten. Sobald es gut wird, darf er jedoch nicht starr an dieser Position festhalten, sondern muss die Ellenbogen entspannen und sich nicht einschränken lassen. Die feste Ellenbogenposition wird er nur bei Bedarf verwenden. Immerhin gehört der Ellenbogen zum Kämpfer und nicht der Kämpfer zum Ellenbogen.

Wie unterscheidet sich Ving Tsun von anderen Stilen und gibt es Stile die ähnlich sind, oder auch gute kämpferische Fertigkeiten hervorbringen?

WSL: Ich unterrichte Ving Tsun und bin nicht in der Lage andere Kampfstile zu kritisieren. Aber ich möchte sagen, dass manche Stile dazu auffordern Tierpositionen nachzuahmen. Menschen haben aber nicht die Fähigkeiten einige Tierpositionen nachzuahmen. Manche Tiere können zum Beispiel leicht von hier nach dort springen, weil sie lange Schwänze haben, um ihre Balance zu halten. Aus diesem Grund sind einige Techniken nicht natürlich. Wenn mich jemand fragen würde welchen Tierstil Ving Tsun entspricht, dann würde ich Menschenstil antworten. Wir nutzen das was uns die Natur gegeben hat nach besten Kräften. Wir trainieren auch in einer realistischen Art und Weise, weil wir dem Partner die Freiheit geben uns nach Belieben anzugreifen. Aus diesem Grund haben wir unendlich viele Situationen in denen unsere Trainingspartner unsere Fähigkeiten überprüfen und testen können.

Sie praktizieren bereits über 40 Jahre Ving Tsun. Können Sie uns eine einfache Definition von Ving Tsun geben?

WSL: Die Idee des Ving Tsun bringt ihre natürlichen Instinkte zum Ausdruck, um sich selbst zu schützen und einen Gegner in kürzester Zeit den grössten Schaden zuzufügen. Alle Menschen haben seit der Geburt den Instinkt zu kämpfen. Es ist eine natürliche Sache. Der Alltag unserer Zivilisation hat diesen Instinkt nur gezähmt. Zum Beispiel müssen wir nicht für unser Essen jagen gehen. Wir können es ganz einfach in einem Supermarkt bekommen. Als Kung Fu Lehrer schätze ich oft die Art und Weise wie Frauen kämpfen. Im Tierreich ist es oft so, dass die Weibchen bösartiger sind, als ihre männlchen Genossen. Wenn Frauen kämpfen verwenden Sie möglicherweise keinen Bongsau oder so, aber sie verwenden die Ving Tsun Prinzipien. Sehr oft beissen sie, ziehen an den Haaren und kratzen in die Augen. An diesen Techniken ist nichts auszusetzen. Sie sind direkt und bereiten dem Gegner große Schmerzen zu. Sie kämpfen instinktiv, um zu überleben. Wenn Männer kämpfen versuchen sie oft andere zu beeindrucken. Der Weg des Ving Tsun ist dem Gegner in kürzester Zeit Schaden zuzufügen und selbst den minimalsten Schaden zu erleiden. Wenn man im Kampf nicht dieses Ziel verfolgt, warum sollte man dann kämpfen?

 

 

Missverständnisse im Ving Tsun

Nicht selten führt “Realitätsferne” zur Unwirksamkeit der sonst so effektiven Ving Tsun Techniken. Auf vielen Seminaren, die ich bis jetzt leitete, habe ich immer wieder auf die Einfachheit unseres Kampfsystems hingewiesen, die es überhaupt möglich machte, dass sich Ving Tsun zu einem der effektivsten Kampfstile des chinesischen Kung Fu entwickelte.

Durch den größten Feind des Ving Tsun, der Phantasie, tritt allerdings eine in unseren Augen stetig zunehmende Realitätsferne ans Tageslicht, wie wir sie bis jetzt nur bei vielen anderen Stilen vorfanden. Einer der wichtigsten Gründe und Gradmesser für gutes Ving Tsun ist die Einhaltung der Ving Tsun-Prinzipien. Eines dieser Prinzipien ist das Zentrallinienprinzip.

Dicht an der Zentrallinie liegen die meisten Vitalpunkte, die es sich lohnt zu attackieren und gleichfalls zu schützen. Bei allen Ving Tsun-Übungen ist man stets darauf bedacht, dass die eigene Aktion Angriff und Verteidigung beinhaltet. Durch den Fauststoß beispielsweise wird gleichzeitig auch die eigene Zentrallinie geschützt. Der eigene Kopf muss stets durch die eigene Aktion geschützt sein. Die frontale Art des Kämpfens, wie sie im Ving Tsun charakteristisch ist, hat den Vorteil, dass neben dem eigenen Schutz auch die Reichweite und Wirkung beider Arme ausgeglichen ist. Ein aufwendiges Körperdrehen bringt dagegen erhebliche Instabilitäten und Kraftverluste mit sich. Körperdrehungen, im Ving Tsun auch unter der Bezeichnung “Wendung” bekannt, werden meist eingesetzt, um einen Angriff abzulenken, um den Raum “im Gegner” zu erobern oder um sich einfach nur auf den Gegner auszurichten.

Einer der größten Fehler “in diesem Zusammenhang besteht darin, dass angenommen wird, man könne einem ernstgemeinten Angriff dadurch entgehen, indem man sich sozusagen aus der “Schusslinie” wendet, um den Gegner an sich vorbeilaufen zu lassen. Dieses wird immer wieder graziös und mit allem Stolz vorgeführt. Es funktioniert auch, doch allerdings nur wenn der Angreifer sehr dumm ist, mich nicht ernsthaft schlagen will oder er nur einen Schlag ausführt. Wie schon mehrfach an anderer Stelle beschrieben, unterschätzt ein Ving Tsun-Kämpfer niemals seinen Gegner, im Gegenteil, er geht immer davon aus, dass dieser über genügend Mittel verfügt, um sich zu verteidigen oder mich erneut zu attackieren. Nie würden wir unseren Gegner mit einem blindwütigen Stier vergleichen. Es sieht natürlich toll aus: Da schlägt jemand einen Fauststoß mit voller Wucht gegen den fast gestreckten Arm seines Gegenübers, der seinen Arm durch den Einschlag zu einem sogenannten Bong Sau verformt, sich seitlich raus dreht und zudem sein Gewicht auf sein hinteres Bein verlagert.

Der Angreifer ist nicht in der Lage, darauf zu reagieren und stolpert an seinem Ziel vorbei. Sieht toll aus und lässt sich auch super verkaufen! Funktionieren wird es aber nur bei Demonstrationen und wenn mein Gegner nicht nur stark, sondern auch ausgesprochen dumm ist. In der Realität wird es aber mit Sicherheit so sein: Mein Gegner rechnet sich sehr viele Chancen aus, gegen mich zu gewinnen (deshalb auch sein Angriff) und möchte sein Ziel natürlich erreichen. Mit einer Serie von gezielten Schlägen, die nicht meinen Arm verformen wollen, sondern eher meinen Kopf, geht er aus nächster Nähe auf mich los. Dass er dabei meinen vorgestreckten Arm berührt, stört meinen Gegner nicht. Dieser schnelle Angriff hat zur Folge, dass ich mich raus wende.

Zwar habe ich mich entsprechend dem Angriffsdruck drehen müssen, doch ich bin gemäß physikalischer Gesetze nicht in der Lage, meinen Körper so schnell zu bewegen wie mein Angreifer seine Arme. Mein eigener Fauststoß hat, bedingt durch meine Wendung von ihm weg, keine Wirkung gehabt, vielmehr brachte er mich, durch den Abstoßeffekt, selbst zum Wanken. Außerdem wartet mein Gegner nicht auf meine nächste Aktion, er hat seine Angriffsrichtung bereits zu mir korrigiert und ist schon bei seinen nächsten Attacken. Diese bringen mich eindeutig in eine noch schlechtere Situation wie vor meiner Wendung. Verzweifelt versuche ich, mich auf die andere Seite zu retten und versuche erneut zu wenden, doch mein Gegner schlägt natürlich viel schneller, als ich wenden kann.

Durch diese schnelle eigene Gewichtsverlagerung und den großen Raumgewinn des Gegners, der sich schon wieder auf mich ausgerichtet hat und mich immer noch zu schlagen versucht, verliere ich, nicht zuletzt durch die selbst ausgelösten zentrifugalen Kräfte die an mir zerren, mein Gleichgewicht. Meine eigenen Abwehrbewegungen werden durch nichts mehr unterstützt und bleiben wirkungslos. Analysiert man diese Szene, so muss man feststellen, dass durch das Verschieben der Zentrallinie, das Ausweichen zur Seite also, keineswegs das Kampfverhalten meines Gegners beeinflusst wurde. Er hat nicht, wie so oft beschrieben, den dummen, geradeaus vorbeistolpernden Stier gespielt. Es kostete ihn, wie gesagt, nur eine Änderung der Blickrichtung. Gleichzeitig erhält mein Gegner einen nicht zu unterschätzenden Raumgewinn. Durch seine Vorwärtsbewegung haben seine Schläge eine bessere Qualität bekommen, während meine Schlagkraft als Wegbewegender stark abnimmt. Gleichzeitig lässt eine große Gewichtsverlagerung auf ein Bein keine weiteren sicheren Manöver mehr zu.

Im Gegenteil, einer dermaßen starken Verlagerung kann nur eine erneute Gewichtsverlagerung folgen, die einen weiteren Raumgewinn des Gegners zulässt und mich noch mehr ins Trudeln bringt. Das Chaos ist vorprogrammiert. Zum Schluss wende ich direkt in den Schlag der Gegners -Ende. Es gibt eine Menge Punkte, die deutlich machen, wie wenig Sinn es macht, seine Zentrallinie auf beschriebene Art und Weise zu verschieben. Führt es doch nicht zu einer besseren Ausgangslage für den weiteren Kampf, sondern zu einer schlechteren, was zur Folge hat, dass man nicht nur mit dem Gegner, sondern auch noch mit der eigenen Instabilität zu kämpfen hat. Übrigens gehört es zu den ersten Trainingsstunden eines Boxers, den Gegner immer zu verfolgen bzw. sich zu diesem auszurichten.

Bei Schlagübungen auf Handpratzen wird er darauf vorbereitet, dass sein Gegner natürlich nicht getroffen werden will und versucht auszuweichen, um eine bessere Position zu bekommen. Durch geschickte Verfolgung muss er versuchen, seinem Trainingspartner immer mehr Raum und damit die Möglichkeit des Gegenangriffs zu nehmen. Diese Methode gibt es auch im Ving Tsun und wird zuerst in der 2. Form (Chum Kiu) gelehrt und gehört zu den ersten Chi Sao-Erfahrungen eines jeden Ving Tsun-Schülers. Nach über 13 Jahren Ving Tsun stelle ich fest, dass viele Ving Tsun-Systeme ernsthafte Probleme mit anderen Kampfstilen haben. Obwohl arrogante Ving Tsun-Anhänger immer wieder den “dummen Karateka” vorführen, wie er in Kata-Manier tiefstehend angreift oder mal wieder hochtretend seinen Genitalbereich zum Angriff bietet, sind es doch genau diese “Dummen”, die ihnen ihr Ving Tsun-System mit Haken und Schwingern zum Wanken bringen.

Obwohl doch ihr Ving Tsun so effektiv und gefährlich sein soll, bereitet das eigene System komischerweise keine Schwierigkeiten. Da kommt jeder Schlag wie aus dem Bilderbuch und ist im Handumdrehen abgewehrt. Nach vielen, vielen Jahren Ving Tsun weltweit haben die Probleme, die ein gegnerischer Schwinger verursacht, nicht abgenommen. Da wird gewendet und gedreht, dass man nur staunen kann. Ein Fußtritt zum Kopf oder ein Low Kick zum Schienbein – höchste Alarmstufe. Es ist doch erstaunlich, dass die angeblich “unlogischen” Kampfstile und teilweise in abwertender Weise nur als “Sportarten” bezeichneten Systeme die Ving-Tsun-Welt ganz schon auf den Kopf stellen.

Die vielen Versuche, Ving Tsun mit systemfremden Prinzipien zu durchmischen, belegen diesen Missstand. Auch das dauernde Verändern der Formen, der überraschende Sinneswandel beim Anwenden einer Technik oder eine plötzliche Prinzipienänderung deuten auf eine große Unsicherheit mit dem eigenen System hin. Fürwahr, der geeignete Nährboden für Geheimniskramerei. Denn was unlösbar ist, zu viele Schwierigkeiten bereitet oder nicht anwendbar ist, bekommt einfach den Stempel “Top Secret”.

Philipp Bayer

The European WSLVT Connection

Im September 1981 kam Philipp Bayer das erste Mal zu Wong Shun Leung nach Hongkong und pendelte zunächst zwischen dem Reich der Mitte und Deutschland. Im Januar blieb Philipp Bayer dann für länger und wurde offiziell Schüler von Wong Shun Leung.

Bei seiner Rückkehr nach Deutschland gelang es ihm viele von der Effektivität des Gelernten zu überzeugen, so dass mehrere Schulen wechselten und die WSL Methoden unter seiner Leitung lernen zu können. Philipp Bayer kehrte regelmäßig nach Hongkong zurück, um sich weiterzubilden und lud Wong Shun Leung nach Deutschland ein.

1990 gründete Philipp Bayer die Ving Tsun Kung Fu Association Europe und organisierte europaweit Seminare mit Wong Shun Leung. Die beiden verband eine enge Freundschaft und Philipp Bayer erwarb ein breites Wissen, dass mit einem hohen Maß an Können verbunden ist. Sein Engagement für seinen Lehrer und seine Entschlossenheit das Erbe von Wong Shun Leung zu bewahren sind beispielhaft.

Bis zum heutigen Tag verbreitet Philipp Bayer weiterhin das Wong Shun Leung Ving Tsun System und bildet seine Schüler aus. Philipp Bayer hat jeden Tag Training und ist jedes Wochenende woanders in Europa. Mittlerweile gibt es auch schon außerhalb Europas Schulen, die das WSL Ving Tsun unterrichten.

Über seine Zeit mit Wong Shun Leung berichtet Philipp Bayer folgendes: „Er war sehr schnell und direkt. Ich war beeindruckt von seinen Fähigkeiten, insbesondere davon, wie er mit seiner schmalen Statur so viel Kraft erzeugen konnte. Im Training, aber auch privat war Wong Sifu eine wirklich zugängliche Persönlichkeit. Er pflegte Menschen mit seinen Fähigkeiten zu überzeugen und nicht durch Titel, oder wegen der Tradition. Er war ein normaler Mensch und wollte auch so behandelt werden. Er passte definitiv nicht zum klassischen Beispiel eines „Großmeisters“. 

Wollen Sie das WSL Ving Tsun kennenlernen? Dann besuchen Sie uns in Hannover. Ich freue mich auf Sie!

Wing Tsun Hannover – Sollingstraße 1A, 30419 Hannover

Der Kampf von Wong Shun Leung

Die Art zu kämpfen, über die ich hier sprechen will, ist nicht jene, die man im Boxring beobachten kann. Diese Art Kampf ist durch eine Vielzahl von Regeln eingeschränkt und wandelt sich schrittweise zu einer Form von Sport, die keine wirkliche Ähnlichkeit mehr mit realistischem Kampf hat.

Worüber ich hier sprechen will, ist der “wirkliche Kampf”, die Art von Kampf, die vollkommen uneingeschränkt und unbegrenzt ist, sei es durch Konflikt oder beiderseitige Übereinkunft. Diese Art Kampf ist von besonderer Art. Alles steht auf dem Spiel. Man kann keinen konstanten Faktor voraussetzen; deshalb beeinflussen die körperlichen Voraussetzungen beider Gegner direkt den Ausgang des Kampfes. Die alte chinesische Schrift “Strategien” drückt es gut aus: “Beurteile zuerst und kämpfe dann” oder “Kämpfe erst und beurteile später”. Das eine oder das andere kann seinen Gegenpart im Sinne von Ursache und Wirkung beeinflussen. In der Tat muss vieles diskutiert und gezeigt werden, wenn man über das Kämpfen spricht.

Ob man die Aktionen des Gegners vorhersehen kann, spielt eine sehr wichtige Rolle dabei, wer einen Kampf gewinnt. Die alte chinesische Schrift “Strategien” sagt: “Schlage zu, wenn der Gegner auf halbem Wege ist”. Jeder Angriff, der mit einem solch vorteilhaften strategischen Timing ausgeführt wird, erbringt die doppelte Ernte, da die Absichten, Pläne und Bewegungen des Gegners unter strenger Beobachtung stehen. Außerdem wird es einem Gegner, der auf halbem Wege seiner eigenen Aktion mit entsprechenden Gegenangriffen empfangen wird, schwer fallen, seine Bewegungen weiter zu koordinieren. Dadurch verliert er die Kontrolle und unausweichlich auch den Kampf. Allerdings begehen manche unerfahrene und schlechte Kampfkunst Praktizierende Fehler dieser Art immer wieder. Sie beginnen ihre Attacken lange bevor sie die entsprechende Distanz hergestellt haben und lassen einen großen Abstand zwischen sich und dem Gegner. Dieses Vorgehen ist höchst unklug und schädlich, denn es “lässt die Katze aus dem Sack”. Sie verraten dem Gegner unsere Geheimnisse. Sei also im Kampf niemals ungeduldig. Warte, bis der Gegner nur noch einen Schritt entfernt ist, bevor du plötzlich deine Angriffe beginnst. Dies nimmt dem Gegner jede Möglichkeit, selbst zu agieren.

Aufgrund des plötzlichen Angriffs aus kurzer Distanz kann der Gegner nicht rechtzeitig reagieren; deshalb wird er wahrscheinlich einen halben Schritt nach hinten oder zur Seite weichen. Dies macht es nur noch leichter für einen selbst, die Kontrolle über die Situation zu erlangen, da das Gleichgewicht des Gegners gestört ist. Versuche deshalb immer, den Gegner über deine Strategie im Unklaren zu lassen. Mache Dir keine Illusionen. Zu viele Illusionen oder zu hohe Erwartungen machen dich aufgeregt. Nach den Prinzipien des Kampfes sind wir zu 100% perfekt, wenn wir bestimmte oder alle Bewegungen korrekt ausführen können. Diese Situation existiert aber nur in der Theorie. Menschliche Wesen machen Fehler, niemand ist perfekt. In einer normalen Kampfsituation sind die Gegebenheiten auf beiden Seiten mehr oder weniger vergleichbar: Körpergewicht, Arme und Beine, Stärken und Schwächen und so weiter. Sie sind mehr oder minder ausgeglichen und deshalb vergleichbar. Der entscheidendste Faktor ist das Können, das beide Seiten jeweils besitzen. Nehmen wir einmal an, dass eine Chance von 70% besteht, einen Kampf zu gewinnen, so bleibt immer noch eine dreißigprozentige Wahrscheinlichkeit, einem Angriff ausgesetzt zu sein. Bei einer Boxweltmeisterschaft wird auch der Sieger eine Menge Treffer eingesteckt haben. Heutzutage kommen viele Kampfkunstlehrer mit einer Menge Hokuspokus daher. Sie erfinden viele nette Geschichten und Hirngespinste, um ihre Schüler irrezuführen. Sie narren sich selbst und andere. Es ist eine Schande. Wenn man aber das richtige physische und mentale Training hat und sich darüber im klaren ist, dass es normal ist, dass während eines Kampfes Schläge den eigenen Körper treffen, wird alles, was in einem Kampf passiert, nicht so verwirrend sein, dass es zur Niederlage führt. Ein Sieg wird wahrscheinlicher.

Um anzugreifen, müssen beide Seiten sich innerhalb der Kampfzone bzw. -reichweite befinden. Beide haben die gleichen Chancen, Angriffe zu starten. Während des Schlagabtausches hat man wenig Zeit, nachzudenken und abzuwägen. Durch routinemäßiges Training kommt das erworbene Gefühl und die Erfahrung voll zur Anwendung. Sieg oder Niederlage werden davon bestimmt, was in einem steckt. Was aber auch immer passiert – zögere nicht. Zögern bringt einem eine Menge unnötige Schwierigkeiten ein. Die mehrfach hintereinander ausgeführten hohen Tritte, die wir in Filmen sehen, sind Produkte der Fantasie. In einer tatsächlichen Kampfsituation wird es nach dem ersten erfolgreich ausgeführten Tritt schwer oder unmöglich sein, einen zweiten auszuführen. Es wird kein Platz mehr da sein. Solange der Gegner nicht nach einem Treffer durch einen Rundkick nach hinten geht, sind die Chancen für anschließende Tritte nicht sehr hoch. Die Gesetze der Physik widersprechen solchen Möglichkeiten. Wenn der Gegner große Angst davor hat, getroffen zu werden und plötzlich nach hinten ausweicht, wird ein erfolgloser Tritt nur von einem ebenfalls erfolglosen Tritt gefolgt werden. Das Timing stimmt nicht. Dies ist wie beim Tanzen. Deshalb wird nur der angegriffen werden, der zögert. Vor- oder Zurückgehen, wenn es prompt ausgeführt wird, hilft dabei, Gelegenheiten zu ergreifen. All die oben aufgeführten Punkte sind nicht dazu gedacht, aus jemandem einen Sieger zu machen. Sie sollen helfen, Fehler zu vermeiden. Die wichtigsten Faktoren, die einen Kampf gewinnen helfen sind Beharrlichkeit im Training, Kampfgeist, Durchhaltevermögen, physische Stärke, Selbstvertrauen und so weiter. All diese Qualitäten machen den höchsten Grad an Harmonie und Frieden möglich.

Wong Shun Leung

Schule des Monats

Wing Tsun Hannover ist die Schule des Monats der Ving Tsun Kung Fu Association Europe. Unsere Fachschule für Wing Tsun Kung Fu der Wong Shun Leung / Philipp Bayer Linie bietet 5x pro Woche ein Gruppentraining für Erwachsene an.

Seit 2011 betreibt Michael Kostyniuk die Wing Tsun Schule in Hannover, bei der die Ausbildung der Mitglieder großgeschrieben wird. Nach 15 Jahren TA Wing Tsun ging er seinen eigenen Weg und bereiste Hongkong, England und Spanien, um sich weiterzubilden. Nachdem er Anfang 2018 das Wong Shun Leung Wing Tsun von Philipp Bayer näher kennenlernte, fing er unter der Leitung von Philipp Bayer eine intensive Fortbildung an.

In der Schule Wing Tsun Hannover können Anfänger und Fortgeschrittene trainieren. Es ist sehr erstaunlich, dass sich die Abstammungslinie von Wong Shun Leung zu Leung Ting / Kernspecht extrem unterscheiden.

Wing Tsun Hannover, Sollingstraße 1A, 30419 Hannover

Kontaktformular zum Probetraining

 

 

Hongkong Wong Shun Leung & Philipp Bayer

Philipp Bayer und Wong Shun Leung in Hongkong

Phillip Bayer Interview

F: Wie haben Sie mit Wing Chun angefangen und wer war Ihr erster Lehrer?

PHB: Ich habe in Deutschland mit dem Leung Ting Wing Tsun / WT angefangen und wechselte dann nach kurzer Zeit zu Wong Shun Leung wegen seiner Art zu kämpfen und zu denken. 

F: Wie kam das Treffen mit Wong Shun Leung zustande?

PHB: Durch einen Zufall. Der Verkäufer eines Ladens für Kampfsportartikel in Hong Kong gab mir seine Adresse und meinte: „Wenn du wahres Ving Tsun lernen willst musst du diesen Mann finden!“

F: Was waren die charakteristischen Merkmale von Wong Shun Leung´s Wing Chun?

PHB: Man hat die Ziele klar vor Augen, es gibt nichts mystisches, oder geheimnisvolles, nur harte Arbeit, kein rum spielen oder so, einfach nur kämpfen.

F: Was sind die Hauptprinzipien?

PHB: Die Konditionierung vom richtigen Verhalten und Denken in Bezug zum Kampf, die Entwicklung von Schlagkraft, Strategie, Koordination, Balance, das Finden und Nutzen von Chancen, Timing, den einfachsten und direktesten Weg zu finden, Probleme im Kampf lösen und andere wichtige Dinge die notwendig sind, um einen Kampf zu überleben.

F: Wie verhält sich Chi Sau zum Kampf?

PHB: Für das Training und die Entwicklung im Ving Tsun haben wir diese vielseitige und einzigartige Partnerübung, die dazu dient viele Attribute zu trainieren und zu korrigieren, die für den Kampf notwendig sind. Diese Übung, genannt Chi Sau, ist ein Austausch zwischen zwei Trainingspartnern. Wenn dabei keine Kooperation stattfindet, dann ist es kein Chi Sau mehr und wird unproduktiv. Chi Sau ist eine sehr gute Übung, um bestimmte Ziele zu erreichen. Deshalb verbringen wir auch so viel Zeit damit, in der Regel macht diese Übung bis zu 90% unserer Trainingszeit aus. Aber Chi Sau ist nur eine Brücke zwischen den Formen und Sparring. Chi Sau dient die Idee von Ving Tsun zu entwickeln.

F: Wie ist Ihre Meinung zum kombiniertem Training wie Wing Chun und  Brazilian Jiu Jitsu zum Beispiel?

PHB: Um Kampfkenntnisse in Ving Tsun zu erhalten musst man sehr hart arbeiten und um das Niveau zu halten noch härter. Da bleibt keine Zeit für die Umsetzung anderer Ideen.

F: Gibt es verschiedene Schrittarten im Wing Chun und wie werden sie verwendet?

PHB: Es gibt nur eine Art von Schritte, wir schneiden den Weg des Gegners ab und unterbrechen den Angriff. 

F: Die Holzpuppe ist in 108/114 Bewegungen unterteilt, diese Bewegungen wiederum in Abschnitte. Wie viele Abschnitte sind es und hat jeder Abschnitt einen besonderen Zweck im der Schulung?

PHB: Wie Chi Sau und andere Methoden das Verhalten im Kampf zu entwickeln, nutzen wir auch die Holzpuppe. Die meisten Techniken der Holzpuppe trainiert die Position der Ellenbogen für die Hauptwaffe im Ving Tsun, den geraden Schlag. Aber es entwickelt genauso Koordination, die Synchronisation von Bein und Armbewegungen und die Verwendung der gesamten Körperstruktur für den Schlag. Unter anderem wird auch die Schrittarbeit und das Timing trainiert.

F: Erklären Sie bitte das Konzept der Körperstruktur im Wing Chun?

PHB: Ein guter Schlag kommt nicht nur aus dem Arm, man braucht den gesamten Körper. In Chi Sau beispielsweise schaffen wir die perfekte Struktur, um den Körper zum Schlagen zu verwenden, wenn wir die Kraft mit dem Partner austauschen. Die Qualität des Austausches ist dabei der Schlüssel.

F: Wie ist Ihre typischer Wing Chun Lehrplan aufgebaut?

PHB: Meine Schüler starten mit den Formen, um die richtige Idee zu entwickeln und zu behalten. Später beginnen sie die Hauptwaffe zu trainieren.

F: Wie ist Ihre Meinung zu Chi Sau Wettkämpfen?

PHB: Das ist unnötig darüber nachzudenken.

F: Was halten Sie von Laufen für die Ausdauer, oder Hanteltraining zur Kraftsteigerung?

PHB: Im Ving Tsun lernst du sehr klar deine Schwachpunkte zu finden und was du zu tun hast, um sie zu beheben. Laufen zum Beispiel ist nicht schlecht, aber um für den Kampf gut konditioniert zu sein brauchst musst du kämpfen und sparren.

F: Sind auch Griffe und Hebel zum Knochenbrechen enthalten?

PHB: Nein.

F: Si Fu, Ich werde nun ein paar Techniken und Konzepte auflisten. Nennen Sie in einem Satz bitte deren Bedeutung zum Kampf.

Tan Sau – trainiert den Schlag
Bong Sau – öffnet den Weg zum schlagen
Fook Sau – trainiert den Schlag
Pak Sau – öffnet den Weg zum schlagen
Kwan Sau – trainiert den Schlag
Tok Sau – haben wir nicht
Poon Sau – Austausch von Energie
Fak Sau – schlagen
Lap Sau – öffnet den Weg zum schlagen
Yee Gee Kim Yum Ma – Trainingsstand, zum Konditionieren von Fuß und Knie um den Schlag zu unterstützen
Jum Sau – trainiert den Schlag

PHB: Übrigens haben Sie mich nicht nach der wichtigsten Technik oder Prinzip gefragt – den geraden Schlag!?!

F: Was erhoffen Sie sich für die Zukunft des Wong Shun Leung Ving Tsun?

PHB: Ich hoffe, dass wir die dummen Leute vom System fernhalten können!

F: Vielen Dank, dass Sie uns die Möglichkeit gegeben haben Sie zu interviewen.

Ving Tsun Philipp Bayer Menorca

cof

Mike Tyson, Philipp Bayer, Michael Kostyniuk