Missverständnisse im Ving Tsun

Nicht selten führt “Realitätsferne” zur Unwirksamkeit der sonst so effektiven Ving Tsun Techniken. Auf vielen Seminaren, die ich bis jetzt leitete, habe ich immer wieder auf die Einfachheit unseres Kampfsystems hingewiesen, die es überhaupt möglich machte, dass sich Ving Tsun zu einem der effektivsten Kampfstile des chinesischen Kung Fu entwickelte.

Durch den größten Feind des Ving Tsun, der Phantasie, tritt allerdings eine in unseren Augen stetig zunehmende Realitätsferne ans Tageslicht, wie wir sie bis jetzt nur bei vielen anderen Stilen vorfanden. Einer der wichtigsten Gründe und Gradmesser für gutes Ving Tsun ist die Einhaltung der Ving Tsun-Prinzipien. Eines dieser Prinzipien ist das Zentrallinienprinzip.

Dicht an der Zentrallinie liegen die meisten Vitalpunkte, die es sich lohnt zu attackieren und gleichfalls zu schützen. Bei allen Ving Tsun-Übungen ist man stets darauf bedacht, dass die eigene Aktion Angriff und Verteidigung beinhaltet. Durch den Fauststoß beispielsweise wird gleichzeitig auch die eigene Zentrallinie geschützt. Der eigene Kopf muss stets durch die eigene Aktion geschützt sein. Die frontale Art des Kämpfens, wie sie im Ving Tsun charakteristisch ist, hat den Vorteil, dass neben dem eigenen Schutz auch die Reichweite und Wirkung beider Arme ausgeglichen ist. Ein aufwendiges Körperdrehen bringt dagegen erhebliche Instabilitäten und Kraftverluste mit sich. Körperdrehungen, im Ving Tsun auch unter der Bezeichnung “Wendung” bekannt, werden meist eingesetzt, um einen Angriff abzulenken, um den Raum “im Gegner” zu erobern oder um sich einfach nur auf den Gegner auszurichten.

Einer der größten Fehler “in diesem Zusammenhang besteht darin, dass angenommen wird, man könne einem ernstgemeinten Angriff dadurch entgehen, indem man sich sozusagen aus der “Schusslinie” wendet, um den Gegner an sich vorbeilaufen zu lassen. Dieses wird immer wieder graziös und mit allem Stolz vorgeführt. Es funktioniert auch, doch allerdings nur wenn der Angreifer sehr dumm ist, mich nicht ernsthaft schlagen will oder er nur einen Schlag ausführt. Wie schon mehrfach an anderer Stelle beschrieben, unterschätzt ein Ving Tsun-Kämpfer niemals seinen Gegner, im Gegenteil, er geht immer davon aus, dass dieser über genügend Mittel verfügt, um sich zu verteidigen oder mich erneut zu attackieren. Nie würden wir unseren Gegner mit einem blindwütigen Stier vergleichen. Es sieht natürlich toll aus: Da schlägt jemand einen Fauststoß mit voller Wucht gegen den fast gestreckten Arm seines Gegenübers, der seinen Arm durch den Einschlag zu einem sogenannten Bong Sau verformt, sich seitlich raus dreht und zudem sein Gewicht auf sein hinteres Bein verlagert.

Der Angreifer ist nicht in der Lage, darauf zu reagieren und stolpert an seinem Ziel vorbei. Sieht toll aus und lässt sich auch super verkaufen! Funktionieren wird es aber nur bei Demonstrationen und wenn mein Gegner nicht nur stark, sondern auch ausgesprochen dumm ist. In der Realität wird es aber mit Sicherheit so sein: Mein Gegner rechnet sich sehr viele Chancen aus, gegen mich zu gewinnen (deshalb auch sein Angriff) und möchte sein Ziel natürlich erreichen. Mit einer Serie von gezielten Schlägen, die nicht meinen Arm verformen wollen, sondern eher meinen Kopf, geht er aus nächster Nähe auf mich los. Dass er dabei meinen vorgestreckten Arm berührt, stört meinen Gegner nicht. Dieser schnelle Angriff hat zur Folge, dass ich mich raus wende.

Zwar habe ich mich entsprechend dem Angriffsdruck drehen müssen, doch ich bin gemäß physikalischer Gesetze nicht in der Lage, meinen Körper so schnell zu bewegen wie mein Angreifer seine Arme. Mein eigener Fauststoß hat, bedingt durch meine Wendung von ihm weg, keine Wirkung gehabt, vielmehr brachte er mich, durch den Abstoßeffekt, selbst zum Wanken. Außerdem wartet mein Gegner nicht auf meine nächste Aktion, er hat seine Angriffsrichtung bereits zu mir korrigiert und ist schon bei seinen nächsten Attacken. Diese bringen mich eindeutig in eine noch schlechtere Situation wie vor meiner Wendung. Verzweifelt versuche ich, mich auf die andere Seite zu retten und versuche erneut zu wenden, doch mein Gegner schlägt natürlich viel schneller, als ich wenden kann.

Durch diese schnelle eigene Gewichtsverlagerung und den großen Raumgewinn des Gegners, der sich schon wieder auf mich ausgerichtet hat und mich immer noch zu schlagen versucht, verliere ich, nicht zuletzt durch die selbst ausgelösten zentrifugalen Kräfte die an mir zerren, mein Gleichgewicht. Meine eigenen Abwehrbewegungen werden durch nichts mehr unterstützt und bleiben wirkungslos. Analysiert man diese Szene, so muss man feststellen, dass durch das Verschieben der Zentrallinie, das Ausweichen zur Seite also, keineswegs das Kampfverhalten meines Gegners beeinflusst wurde. Er hat nicht, wie so oft beschrieben, den dummen, geradeaus vorbeistolpernden Stier gespielt. Es kostete ihn, wie gesagt, nur eine Änderung der Blickrichtung. Gleichzeitig erhält mein Gegner einen nicht zu unterschätzenden Raumgewinn. Durch seine Vorwärtsbewegung haben seine Schläge eine bessere Qualität bekommen, während meine Schlagkraft als Wegbewegender stark abnimmt. Gleichzeitig lässt eine große Gewichtsverlagerung auf ein Bein keine weiteren sicheren Manöver mehr zu.

Im Gegenteil, einer dermaßen starken Verlagerung kann nur eine erneute Gewichtsverlagerung folgen, die einen weiteren Raumgewinn des Gegners zulässt und mich noch mehr ins Trudeln bringt. Das Chaos ist vorprogrammiert. Zum Schluss wende ich direkt in den Schlag der Gegners -Ende. Es gibt eine Menge Punkte, die deutlich machen, wie wenig Sinn es macht, seine Zentrallinie auf beschriebene Art und Weise zu verschieben. Führt es doch nicht zu einer besseren Ausgangslage für den weiteren Kampf, sondern zu einer schlechteren, was zur Folge hat, dass man nicht nur mit dem Gegner, sondern auch noch mit der eigenen Instabilität zu kämpfen hat. Übrigens gehört es zu den ersten Trainingsstunden eines Boxers, den Gegner immer zu verfolgen bzw. sich zu diesem auszurichten.

Bei Schlagübungen auf Handpratzen wird er darauf vorbereitet, dass sein Gegner natürlich nicht getroffen werden will und versucht auszuweichen, um eine bessere Position zu bekommen. Durch geschickte Verfolgung muss er versuchen, seinem Trainingspartner immer mehr Raum und damit die Möglichkeit des Gegenangriffs zu nehmen. Diese Methode gibt es auch im Ving Tsun und wird zuerst in der 2. Form (Chum Kiu) gelehrt und gehört zu den ersten Chi Sao-Erfahrungen eines jeden Ving Tsun-Schülers. Nach über 13 Jahren Ving Tsun stelle ich fest, dass viele Ving Tsun-Systeme ernsthafte Probleme mit anderen Kampfstilen haben. Obwohl arrogante Ving Tsun-Anhänger immer wieder den “dummen Karateka” vorführen, wie er in Kata-Manier tiefstehend angreift oder mal wieder hochtretend seinen Genitalbereich zum Angriff bietet, sind es doch genau diese “Dummen”, die ihnen ihr Ving Tsun-System mit Haken und Schwingern zum Wanken bringen.

Obwohl doch ihr Ving Tsun so effektiv und gefährlich sein soll, bereitet das eigene System komischerweise keine Schwierigkeiten. Da kommt jeder Schlag wie aus dem Bilderbuch und ist im Handumdrehen abgewehrt. Nach vielen, vielen Jahren Ving Tsun weltweit haben die Probleme, die ein gegnerischer Schwinger verursacht, nicht abgenommen. Da wird gewendet und gedreht, dass man nur staunen kann. Ein Fußtritt zum Kopf oder ein Low Kick zum Schienbein – höchste Alarmstufe. Es ist doch erstaunlich, dass die angeblich “unlogischen” Kampfstile und teilweise in abwertender Weise nur als “Sportarten” bezeichneten Systeme die Ving-Tsun-Welt ganz schon auf den Kopf stellen.

Die vielen Versuche, Ving Tsun mit systemfremden Prinzipien zu durchmischen, belegen diesen Missstand. Auch das dauernde Verändern der Formen, der überraschende Sinneswandel beim Anwenden einer Technik oder eine plötzliche Prinzipienänderung deuten auf eine große Unsicherheit mit dem eigenen System hin. Fürwahr, der geeignete Nährboden für Geheimniskramerei. Denn was unlösbar ist, zu viele Schwierigkeiten bereitet oder nicht anwendbar ist, bekommt einfach den Stempel “Top Secret”.

Philipp Bayer

The European WSLVT Connection

Im September 1981 kam Philipp Bayer das erste Mal zu Wong Shun Leung nach Hongkong und pendelte zunächst zwischen dem Reich der Mitte und Deutschland. Im Januar blieb Philipp Bayer dann für länger und wurde offiziell Schüler von Wong Shun Leung.

Bei seiner Rückkehr nach Deutschland gelang es ihm viele von der Effektivität des Gelernten zu überzeugen, so dass mehrere Schulen wechselten und die WSL Methoden unter seiner Leitung lernen zu können. Philipp Bayer kehrte regelmäßig nach Hongkong zurück, um sich weiterzubilden und lud Wong Shun Leung nach Deutschland ein.

1990 gründete Philipp Bayer die Ving Tsun Kung Fu Association Europe und organisierte europaweit Seminare mit Wong Shun Leung. Die beiden verband eine enge Freundschaft und Philipp Bayer erwarb ein breites Wissen, dass mit einem hohen Maß an Können verbunden ist. Sein Engagement für seinen Lehrer und seine Entschlossenheit das Erbe von Wong Shun Leung zu bewahren sind beispielhaft.

Bis zum heutigen Tag verbreitet Philipp Bayer weiterhin das Wong Shun Leung Ving Tsun System und bildet seine Schüler aus. Philipp Bayer hat jeden Tag Training und ist jedes Wochenende woanders in Europa. Mittlerweile gibt es auch schon außerhalb Europas Schulen, die das WSL Ving Tsun unterrichten.

Über seine Zeit mit Wong Shun Leung berichtet Philipp Bayer folgendes: „Er war sehr schnell und direkt. Ich war beeindruckt von seinen Fähigkeiten, insbesondere davon, wie er mit seiner schmalen Statur so viel Kraft erzeugen konnte. Im Training, aber auch privat war Wong Sifu eine wirklich zugängliche Persönlichkeit. Er pflegte Menschen mit seinen Fähigkeiten zu überzeugen und nicht durch Titel, oder wegen der Tradition. Er war ein normaler Mensch und wollte auch so behandelt werden. Er passte definitiv nicht zum klassischen Beispiel eines „Großmeisters“. 

Wollen Sie das WSL Ving Tsun kennenlernen? Dann besuchen Sie uns in Hannover. Ich freue mich auf Sie!

Wing Tsun Hannover – Sollingstraße 1A, 30419 Hannover

Der Kampf von Wong Shun Leung

Die Art zu kämpfen, über die ich hier sprechen will, ist nicht jene, die man im Boxring beobachten kann. Diese Art Kampf ist durch eine Vielzahl von Regeln eingeschränkt und wandelt sich schrittweise zu einer Form von Sport, die keine wirkliche Ähnlichkeit mehr mit realistischem Kampf hat.

Worüber ich hier sprechen will, ist der “wirkliche Kampf”, die Art von Kampf, die vollkommen uneingeschränkt und unbegrenzt ist, sei es durch Konflikt oder beiderseitige Übereinkunft. Diese Art Kampf ist von besonderer Art. Alles steht auf dem Spiel. Man kann keinen konstanten Faktor voraussetzen; deshalb beeinflussen die körperlichen Voraussetzungen beider Gegner direkt den Ausgang des Kampfes. Die alte chinesische Schrift “Strategien” drückt es gut aus: “Beurteile zuerst und kämpfe dann” oder “Kämpfe erst und beurteile später”. Das eine oder das andere kann seinen Gegenpart im Sinne von Ursache und Wirkung beeinflussen. In der Tat muss vieles diskutiert und gezeigt werden, wenn man über das Kämpfen spricht.

Ob man die Aktionen des Gegners vorhersehen kann, spielt eine sehr wichtige Rolle dabei, wer einen Kampf gewinnt. Die alte chinesische Schrift “Strategien” sagt: “Schlage zu, wenn der Gegner auf halbem Wege ist”. Jeder Angriff, der mit einem solch vorteilhaften strategischen Timing ausgeführt wird, erbringt die doppelte Ernte, da die Absichten, Pläne und Bewegungen des Gegners unter strenger Beobachtung stehen. Außerdem wird es einem Gegner, der auf halbem Wege seiner eigenen Aktion mit entsprechenden Gegenangriffen empfangen wird, schwer fallen, seine Bewegungen weiter zu koordinieren. Dadurch verliert er die Kontrolle und unausweichlich auch den Kampf. Allerdings begehen manche unerfahrene und schlechte Kampfkunst Praktizierende Fehler dieser Art immer wieder. Sie beginnen ihre Attacken lange bevor sie die entsprechende Distanz hergestellt haben und lassen einen großen Abstand zwischen sich und dem Gegner. Dieses Vorgehen ist höchst unklug und schädlich, denn es “lässt die Katze aus dem Sack”. Sie verraten dem Gegner unsere Geheimnisse. Sei also im Kampf niemals ungeduldig. Warte, bis der Gegner nur noch einen Schritt entfernt ist, bevor du plötzlich deine Angriffe beginnst. Dies nimmt dem Gegner jede Möglichkeit, selbst zu agieren.

Aufgrund des plötzlichen Angriffs aus kurzer Distanz kann der Gegner nicht rechtzeitig reagieren; deshalb wird er wahrscheinlich einen halben Schritt nach hinten oder zur Seite weichen. Dies macht es nur noch leichter für einen selbst, die Kontrolle über die Situation zu erlangen, da das Gleichgewicht des Gegners gestört ist. Versuche deshalb immer, den Gegner über deine Strategie im Unklaren zu lassen. Mache Dir keine Illusionen. Zu viele Illusionen oder zu hohe Erwartungen machen dich aufgeregt. Nach den Prinzipien des Kampfes sind wir zu 100% perfekt, wenn wir bestimmte oder alle Bewegungen korrekt ausführen können. Diese Situation existiert aber nur in der Theorie. Menschliche Wesen machen Fehler, niemand ist perfekt. In einer normalen Kampfsituation sind die Gegebenheiten auf beiden Seiten mehr oder weniger vergleichbar: Körpergewicht, Arme und Beine, Stärken und Schwächen und so weiter. Sie sind mehr oder minder ausgeglichen und deshalb vergleichbar. Der entscheidendste Faktor ist das Können, das beide Seiten jeweils besitzen. Nehmen wir einmal an, dass eine Chance von 70% besteht, einen Kampf zu gewinnen, so bleibt immer noch eine dreißigprozentige Wahrscheinlichkeit, einem Angriff ausgesetzt zu sein. Bei einer Boxweltmeisterschaft wird auch der Sieger eine Menge Treffer eingesteckt haben. Heutzutage kommen viele Kampfkunstlehrer mit einer Menge Hokuspokus daher. Sie erfinden viele nette Geschichten und Hirngespinste, um ihre Schüler irrezuführen. Sie narren sich selbst und andere. Es ist eine Schande. Wenn man aber das richtige physische und mentale Training hat und sich darüber im klaren ist, dass es normal ist, dass während eines Kampfes Schläge den eigenen Körper treffen, wird alles, was in einem Kampf passiert, nicht so verwirrend sein, dass es zur Niederlage führt. Ein Sieg wird wahrscheinlicher.

Um anzugreifen, müssen beide Seiten sich innerhalb der Kampfzone bzw. -reichweite befinden. Beide haben die gleichen Chancen, Angriffe zu starten. Während des Schlagabtausches hat man wenig Zeit, nachzudenken und abzuwägen. Durch routinemäßiges Training kommt das erworbene Gefühl und die Erfahrung voll zur Anwendung. Sieg oder Niederlage werden davon bestimmt, was in einem steckt. Was aber auch immer passiert – zögere nicht. Zögern bringt einem eine Menge unnötige Schwierigkeiten ein. Die mehrfach hintereinander ausgeführten hohen Tritte, die wir in Filmen sehen, sind Produkte der Fantasie. In einer tatsächlichen Kampfsituation wird es nach dem ersten erfolgreich ausgeführten Tritt schwer oder unmöglich sein, einen zweiten auszuführen. Es wird kein Platz mehr da sein. Solange der Gegner nicht nach einem Treffer durch einen Rundkick nach hinten geht, sind die Chancen für anschließende Tritte nicht sehr hoch. Die Gesetze der Physik widersprechen solchen Möglichkeiten. Wenn der Gegner große Angst davor hat, getroffen zu werden und plötzlich nach hinten ausweicht, wird ein erfolgloser Tritt nur von einem ebenfalls erfolglosen Tritt gefolgt werden. Das Timing stimmt nicht. Dies ist wie beim Tanzen. Deshalb wird nur der angegriffen werden, der zögert. Vor- oder Zurückgehen, wenn es prompt ausgeführt wird, hilft dabei, Gelegenheiten zu ergreifen. All die oben aufgeführten Punkte sind nicht dazu gedacht, aus jemandem einen Sieger zu machen. Sie sollen helfen, Fehler zu vermeiden. Die wichtigsten Faktoren, die einen Kampf gewinnen helfen sind Beharrlichkeit im Training, Kampfgeist, Durchhaltevermögen, physische Stärke, Selbstvertrauen und so weiter. All diese Qualitäten machen den höchsten Grad an Harmonie und Frieden möglich.

Wong Shun Leung

Schule des Monats

Wing Tsun Hannover ist die Schule des Monats der Ving Tsun Kung Fu Association Europe. Unsere Fachschule für Wing Tsun Kung Fu der Wong Shun Leung / Philipp Bayer Linie bietet 5x pro Woche ein Gruppentraining für Erwachsene an.

Seit 2011 betreibt Michael Kostyniuk die Wing Tsun Schule in Hannover, bei der die Ausbildung der Mitglieder großgeschrieben wird. Nach 15 Jahren TA Wing Tsun ging er seinen eigenen Weg und bereiste Hongkong, England und Spanien, um sich weiterzubilden. Nachdem er Anfang 2018 das Wong Shun Leung Wing Tsun von Philipp Bayer näher kennenlernte, fing er unter der Leitung von Philipp Bayer eine intensive Fortbildung an.

In der Schule Wing Tsun Hannover können Anfänger und Fortgeschrittene trainieren. Es ist sehr erstaunlich, dass sich die Abstammungslinie von Wong Shun Leung zu Leung Ting / Kernspecht extrem unterscheiden.

Wing Tsun Hannover, Sollingstraße 1A, 30419 Hannover

Kontaktformular zum Probetraining

 

 

Hongkong Wong Shun Leung & Philipp Bayer

Philipp Bayer und Wong Shun Leung in Hongkong

Phillip Bayer Interview

F: Wie haben Sie mit Wing Chun angefangen und wer war Ihr erster Lehrer?

PHB: Ich habe in Deutschland mit dem Leung Ting Wing Tsun / WT angefangen und wechselte dann nach kurzer Zeit zu Wong Shun Leung wegen seiner Art zu kämpfen und zu denken. 

F: Wie kam das Treffen mit Wong Shun Leung zustande?

PHB: Durch einen Zufall. Der Verkäufer eines Ladens für Kampfsportartikel in Hong Kong gab mir seine Adresse und meinte: „Wenn du wahres Ving Tsun lernen willst musst du diesen Mann finden!“

F: Was waren die charakteristischen Merkmale von Wong Shun Leung´s Wing Chun?

PHB: Man hat die Ziele klar vor Augen, es gibt nichts mystisches, oder geheimnisvolles, nur harte Arbeit, kein rum spielen oder so, einfach nur kämpfen.

F: Was sind die Hauptprinzipien?

PHB: Die Konditionierung vom richtigen Verhalten und Denken in Bezug zum Kampf, die Entwicklung von Schlagkraft, Strategie, Koordination, Balance, das Finden und Nutzen von Chancen, Timing, den einfachsten und direktesten Weg zu finden, Probleme im Kampf lösen und andere wichtige Dinge die notwendig sind, um einen Kampf zu überleben.

F: Wie verhält sich Chi Sau zum Kampf?

PHB: Für das Training und die Entwicklung im Ving Tsun haben wir diese vielseitige und einzigartige Partnerübung, die dazu dient viele Attribute zu trainieren und zu korrigieren, die für den Kampf notwendig sind. Diese Übung, genannt Chi Sau, ist ein Austausch zwischen zwei Trainingspartnern. Wenn dabei keine Kooperation stattfindet, dann ist es kein Chi Sau mehr und wird unproduktiv. Chi Sau ist eine sehr gute Übung, um bestimmte Ziele zu erreichen. Deshalb verbringen wir auch so viel Zeit damit, in der Regel macht diese Übung bis zu 90% unserer Trainingszeit aus. Aber Chi Sau ist nur eine Brücke zwischen den Formen und Sparring. Chi Sau dient die Idee von Ving Tsun zu entwickeln.

F: Wie ist Ihre Meinung zum kombiniertem Training wie Wing Chun und  Brazilian Jiu Jitsu zum Beispiel?

PHB: Um Kampfkenntnisse in Ving Tsun zu erhalten musst man sehr hart arbeiten und um das Niveau zu halten noch härter. Da bleibt keine Zeit für die Umsetzung anderer Ideen.

F: Gibt es verschiedene Schrittarten im Wing Chun und wie werden sie verwendet?

PHB: Es gibt nur eine Art von Schritte, wir schneiden den Weg des Gegners ab und unterbrechen den Angriff. 

F: Die Holzpuppe ist in 108/114 Bewegungen unterteilt, diese Bewegungen wiederum in Abschnitte. Wie viele Abschnitte sind es und hat jeder Abschnitt einen besonderen Zweck im der Schulung?

PHB: Wie Chi Sau und andere Methoden das Verhalten im Kampf zu entwickeln, nutzen wir auch die Holzpuppe. Die meisten Techniken der Holzpuppe trainiert die Position der Ellenbogen für die Hauptwaffe im Ving Tsun, den geraden Schlag. Aber es entwickelt genauso Koordination, die Synchronisation von Bein und Armbewegungen und die Verwendung der gesamten Körperstruktur für den Schlag. Unter anderem wird auch die Schrittarbeit und das Timing trainiert.

F: Erklären Sie bitte das Konzept der Körperstruktur im Wing Chun?

PHB: Ein guter Schlag kommt nicht nur aus dem Arm, man braucht den gesamten Körper. In Chi Sau beispielsweise schaffen wir die perfekte Struktur, um den Körper zum Schlagen zu verwenden, wenn wir die Kraft mit dem Partner austauschen. Die Qualität des Austausches ist dabei der Schlüssel.

F: Wie ist Ihre typischer Wing Chun Lehrplan aufgebaut?

PHB: Meine Schüler starten mit den Formen, um die richtige Idee zu entwickeln und zu behalten. Später beginnen sie die Hauptwaffe zu trainieren.

F: Wie ist Ihre Meinung zu Chi Sau Wettkämpfen?

PHB: Das ist unnötig darüber nachzudenken.

F: Was halten Sie von Laufen für die Ausdauer, oder Hanteltraining zur Kraftsteigerung?

PHB: Im Ving Tsun lernst du sehr klar deine Schwachpunkte zu finden und was du zu tun hast, um sie zu beheben. Laufen zum Beispiel ist nicht schlecht, aber um für den Kampf gut konditioniert zu sein brauchst musst du kämpfen und sparren.

F: Sind auch Griffe und Hebel zum Knochenbrechen enthalten?

PHB: Nein.

F: Si Fu, Ich werde nun ein paar Techniken und Konzepte auflisten. Nennen Sie in einem Satz bitte deren Bedeutung zum Kampf.

Tan Sau – trainiert den Schlag
Bong Sau – öffnet den Weg zum schlagen
Fook Sau – trainiert den Schlag
Pak Sau – öffnet den Weg zum schlagen
Kwan Sau – trainiert den Schlag
Tok Sau – haben wir nicht
Poon Sau – Austausch von Energie
Fak Sau – schlagen
Lap Sau – öffnet den Weg zum schlagen
Yee Gee Kim Yum Ma – Trainingsstand, zum Konditionieren von Fuß und Knie um den Schlag zu unterstützen
Jum Sau – trainiert den Schlag

PHB: Übrigens haben Sie mich nicht nach der wichtigsten Technik oder Prinzip gefragt – den geraden Schlag!?!

F: Was erhoffen Sie sich für die Zukunft des Wong Shun Leung Ving Tsun?

PHB: Ich hoffe, dass wir die dummen Leute vom System fernhalten können!

F: Vielen Dank, dass Sie uns die Möglichkeit gegeben haben Sie zu interviewen.

Ving Tsun Philipp Bayer Menorca

cof

Mike Tyson, Philipp Bayer, Michael Kostyniuk

Yip Chun VTAA

Zeit mit Yip Chun zu verbringen war etwas ganz besonderes für uns. Für Trevor Jefferson war es weitaus mehr. Das letzte Mal traf er seinen Sigung bei der Eröffnung des Yip Man Museums in Foshan 2002.

Das erste Mal begegnete er ihn 1985 und 1986 zeigte Yip Chun ihm die Baat Cham Dao. Ein Jahr darauf 1987 überprüfte er die Bewegungen. Trevor Jefferson lernte viel von ihm und Yip Chun erlaubte ihm, seine eigenen Wege zu entwickeln.

1986 war Trevor an der gut aufgenommenen Produktion von „The Original Wing Chun“ beteiligt. Als ip Chun durch Europa reiste, um Wing Chun zu verbreiten, erinnerte er sich an ihn und erwähnte ihn in seinem Buch „Wing Chun Skill and Philosophy“ auf der Seite 102: „Trevor was the most educated person I have met during these trips. That was in Newcastle.“

 

Wir besuchten Yip Chun an drei Tagen. Am ersten Tag in der Ving Tsun Athletic Association fragte Yip Chun ob er noch trinkt. Daraufhin fragte Trevor ihn ob er noch raucht. Beide hatten sich nicht verändert und sie beantworteten die Frage mit einem Lachen. Nach dem Training wurden wir zum Essen und Tee trinken eingeladen.

Yip Chun ist sehr sympathisch und das Training mit ihm und seinen Schülern hat uns sehr viel Freude bereitet. Es war interessant seine Methoden zu sehen und ihn beim Chi Sau zu beobachten. Er strahlt Freude, Ruhe und Menschlichkeit aus. Yip Chun hat immer ein Lächeln und ist mit 93 Jahren mental und körperlich sehr fit.

Yip Chun ist ein riesiges Beispiel für alle, die Wing Chun trainieren. Wir wünschen ihm für die Zukunft alles erdenklich Gute!

Yip Ching VTAA

Yip Ching machte gerade eine Pause und war aus gegangen, als wir mit Master Trevor Jefferson ihn in der Ving Tsun Athletic Association besuchen wollten. Wir waren froh ihn auf der Straße anzutreffen und gingen mit ihm zurück zur Schule. Es war schön, mit ihm Zeit zu verbringen. Als Familie erwiesen wir ihm Respekt und wünschten ihn für die Zukunft alles erdenklich Gute.